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Merkblatt
Finanzplanung Arztpraxis
Zu Beginn einer Praxisplanung ist es oft schwierig, einen genauen Liquiditätsplan für das Praxisprojekt zu
erstellen. In dieser frühen Phase kann mit einem pragmatischen Vorgehen einigermassen Klarheit über
den Mittelbedarf gewonnen werden.
Wiederkehrende Ausgaben
Um eine einigermassen projektbezogene Planung erstellen zu können, müssen zumindest die zu
bezahlende Miete und die Personalkosen bekannt sein. Das Grob-Budget basiert auf Zahlen einer
laufenden, gut ausgelasteten Praxis.
- Miete pro Jahr
- Personallöhne (normalerweise ca.. Fr. 3'200.- bis 3'600.- pro Monat x 13)
- Übrige Unkosten (ohne Kapitalzinsen): Hier kann von einem Erfahrungswert ausgegangen werden.
Addieren Sie Miete und Personalkosten und schlagen Sie für die übrigen Kosten (Sozialleistungen, allg.
Betriebs- und Verwaltungskosten, Fremdleistungen usw.) noch einmal denselben Betrag dazu.
- Medikamenten-Einkauf: Hier sind bei voller Selbstdispensation in einer hausärztlichen Landpraxis ca. 30-
33% des erwarteten Umsatzes einzurechnen. In einer Stadt-Praxis mit reduzierter SD (z.B. Kt. Bern) ist je
nach Präferenz des Praxisinhabers mit ca. Fr. 2'000.- bis Fr. 5'000.- pro Monat zu rechnen.
- Addieren Sie Ihren privaten Bedarf (Familienbudget / Haushaltungsausgaben) dazu. Wenn Sie von Ihrem
jetzigen Einkommen ausgehen, sind die Steuerzahlungen und die gebildeten Ersparnisse davon
abzuzählen.
- Miete
- Personallöhne
- Übrige Aufwendungen
- Medikamente
- Kapitalkosten Zinsen
- = laufende Praxisgaben
- Privatbezüge
- = laufende Liquiditätsabflüsse Praxisbeginn
- Kapitalkosten Amortisation/Kreditrückzahlung
- Steuern / AHV
- = laufende Liquiditätsabflüsse folgende Jahre
Die Kapitalkosten (Zinsen und Rückzahlungen) können erst berechnet werden, wenn der Kapitalbedarf
bestimmt ist. Rechnen Sie für die Zinsen vorerst mit 7% von einer - je nach Ihren Absichten - geschätzten
Summe von Fr. 250'000.- bis Fr. 500'000.-. Die Rückzahlungen müssen vorerst noch nicht einbezogen
werden. Steuern werden bei eine Neueröffnung während der Aufbauphase relativ tief (ca. Fr. 3'000.- bis Fr.
6'000.-) ausfallen. Für spätere Jahre und bei einer Praxisübernahme sind ca. 25% bei einem Einkommen
um die Fr. 60'000.- bis Fr. 80'000.- und ca. 33% bei einem Einkommen über Fr. 150'000.- einzurechnen.
Dazu kommt die Belastung durch AHV-Beiträge von ca. 10% vom Einkommen. Diese sind in der obigen
Aufstellung für die Anfangszeit pauschal einberechnet. Bei höheren Einkommen müssen sie zusätzlich
budgetiert werden.
Kapitalbedarf
Betriebsmittel
Nehmen Sie die vorher ermittelten Liquiditätsabflüsse bei Praxisbeginn (Jahressumme). Diese teilen Sie
durch vier, wenn Sie eine Praxis übernehmen oder aufgrund der Konkurrenzsituation mit einer sehr kurzen
Anlaufzeit rechnen. Bei einer Neueröffnung ist der Divisor zwei anzuwenden. Erfahrungsgemäss sollte Ihre
Bestimmung des Betriebsmittelbedarfes nun einen Betrag zwischen Fr. 90'000.- und Fr. 160'000.- ergeben.
= Total Betriebsmittelbedarf
Investitionen
Diese zu bestimmen, fällt Ihnen wohl relativ leicht. Denn Sie wissen ja, welche Geräte Sie benötigen
werden. Mit Preislisten oder einem Ausstellungsbesuch kann die gesamt Investitionssumme definiert
werden. Denken Sie auch an die nicht-medizinischen Geräte (Praxiscomputer, FAX - falls nicht vom
Medikamentenlieferanten oder dem externen Labor "gesponsert", Telefonanrufbeantworter usw.). Für den
Praxisumbau oder -ausbau muss zwischen Fr. 30'000.- bei einer Übernahme und Fr. 150'000.- bis Fr.
250'000.- bei einem eigenen Ausbau oder einer totalen Umgestaltung gerechnet werden. Dazu kommt
allenfalls der Kaufpreis eines Stockwerk-Eigentums (was ohne Eigenkapital nicht ganz einfach zu
finanzieren sein wird....)
- Medizinische Geräte (Diagnose / Therapie)
- Laborgeräte / Instrumente
- Büro- und Kommunikationsgeräte
- Praxisausbau / -umbau
- Grundstock an Vorräten und Medikamenten (ca. 3-
Monats-Bedarf)
- = Total Investitionssumme
Finanzierung
- Kapitalbedarf = Investitionssumme + Betriebsmittelbedarf
- Fremdfinanzierung = Kapitalbedarf minus Eigenmittel
- Zu den Eigenmitteln zählen:
- - Vorhandene Bankguthaben, Wertschriften, bereits
abbezahlte Schuldbriefe usw.
- - Freizügigkeitsguthaben aus Ihrer bisherigen Vorsorge *)
- - Familieninterne Finanzquellen wie Schenkungen,
Erbvorbezüge usw.
*) Aus steuerlichen Gründen empfehlen wir, diese Gelder herauszulösen, auch wenn Sie Ihre zukünftige
Vorsorge wiederum in der zweiten Säule betreiben - eine ausführlichere Begründung geben wir gerne bei
einer Besprechung.
Der Rest ist mit konventionellen Bankkrediten zu finanzieren. Alle übrigen Finanzierungsinstrumente wie
Leasing, Honorarbevorschussung usw. halten meistens einem wirtschaftlichen Vergleich nicht stand.
- Betriebsmittelbedarf
- - Eigenkaital und private Finanzquellen
- = Betriebskredit von der Bank
- Investitionssumme = Investitionskredit von der Bank
Nun können Sie noch Ihre Schätzung der Kapitalkosten überprüfen und allenfalls die Rechnung iterativ
anpassen. Rechnen Sie mittelfristig mit einer Zinsbelastung von 6 - 7% obwohl die aktuellen Netto-Zinssätze (ohne Kommission auf dem Betriebskredit) unter 6% liegen. Für die Rückzahlung geht man von
einem Zehntel der Kreditsumme pro Jahr aus.
Wie geht es weiter?
Dieser erste Zugang kann mit der Zeit präzisiert werden. Solange der Kapitalmarkt - wie heute - relativ
"flüssig" ist, genügt es oft, die Verhandlungen mit der Bank mit einem solchen Grob-Budget anzugehen.
Bei grösseren Projekten und fehlender Eigenkapitalbasis ist aber die Ausarbeitung eines detaillierteren
Finanzplans unter Mithilfe eines Praxisberaters oft nötig.
Auch bei einem nicht-kapitalintensiven Projekt lohnt es sich, die Verhandlung mit der Bank gut
vorzubereiten. Besprechen Sie mit Ihrem Praxisberater vorher die aktuellen Konditionen, die Sie erwarten
können, wie man optimal vorgeht und welche Verhandlungstaktik angewandt werden kann. Wir stehen
Ihnen für eine individuelle Beratung gerne zur Verfügung.
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© 1996-2000 CONSOMED Bernhard Schneider, Praxisberatung + Ärztetreuhand, Bern (Schweiz)
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